Ein Supervirtuose mit einem sanften Herz (Moskau 2009)
Im Konzertsaal gibt es doch immer wieder neue Dinge zu entdecken, Werke und Musikerdenen man nie begegnete und die faszinieren oder zumindest neugierig machen.Fast immer sind dies am Klavier junge und sehr junge Nachwuchspianisten, deren Karrieream Anfang steht und die ihren Weg noch suchen.Ein Konzert ganz anderer Art war nun vor einigen Tagen im Rachmaninov-Saal desKonservatoriums zu erleben: Der deutsche Pianist Kai Adomeit war in seiner Karriere als Nachwuchspianist bereits weit fortgeschritten (im Alter von erst 22 Jahren nahm er denZyklus der Klavierkonzerte von Serge Rachmaninow auf CD auf ) als eine schwereKrankheit ihn zwang das Klavierspiel völlig aufzugeben.Nach langer Rekonvaleszenz betritt er nun wieder das Podium und tritt dem Publikum alsreifer Pianist und Künstler gegenüber.Adomeit begann sein Recital mit Beethovens f-moll-Sonate Op.57, der "Appassionata".Auffallend ist seine sehr individuelle Weise zu spielen: Nah am Instrument, mit sparsamenBewegungen, völlig versunken spielte er Beethovens wilde Schöpfung fast ein wenig schlichtund schmucklos, dabei aber immer genau den Vorschriften des Notentextes folgend.Nach der Pause, im nunmehr deutlich besser gefüllten Saal spielte sich Kai Adomeit inFranz Liszts 12 transzendenten Etüden in einen Rausch. Beeindruckender noch als die rein technische Bewältigung des einstündigen Zyklus erschien Adomeits musikalischeKonzeption: Jede Etüde wurde wie ein Charakterstück interpretiert und gerade einlärmender Ritt wie die "Wilde Jagd" erschien plötzlich in völlig neuen Farben.Dabei spielt Kai Adomeit keinesfalls unvirtuos. Doch ist seine Beherrschung desInstruments so vollkommen dass man die ungeheuren Schwierigkeiten die er bewältigtkaum als solche wahrnimmt. Gerade in den poetischen, vielleicht ein wenig salonhaften Stücken wie "Ricordanza" oder"Paysage" erschütterte er das Publikum mit einer innigen, zutiefst berührendenmusikalischen Sensibilität, während er in Schlachtengemälden wie "Mazeppa" selbst inrasenden Oktavpassagen jederzeit Herr des Geschehens blieb.Grosser Applaus und Zugaben: Grieg(Arietta), Bach-Busoni(Chaconne), SchumannLiszt(Widmung), Chopin(Ballade g-moll) und Liszts Don-Juan-Paraphrase, derengewaltige Stretta das Publikum von den Stühlen riss.